Bericht vom Grünen Fachgespräch zur Beschneidung von Jungen

Der Gesetzentwurf aus dem Justizministerium zur Beschneidung von Knaben soll die Verunsicherung beenden, die seit dem Kölner Beschneidungsurteil herrscht. Er beendet aber auch eine Debatte, die wir dringend weiter führen müssten. Und zwar mit mehr Nachdenklichkeit und Respekt für die Positionen der Anderen, als sie die öffentliche Debatte bislang geprägt haben. Das hat das grüne Fachgespräch zum Beschneidungsurteil am vergangenen Freitag, den 2. November, deutlich gemacht.

Sehr häufig werden in der Debatte Religionsfreiheit und Kinderrechte gegeneinander in Stellung gebracht. Die Frage, die der Gesetzentwurf regeln will, ist aber die Frage nach Grenzen des Elternrechts. Und das ist mit vielen weiteren Fragen verbunden: wenn es zu allererst die Eltern sind, die für das Wohl ihrer Kinder verantwortlich sind - wann ist der Staat verpflichtet einzugreifen? Lassen sich die Beschneidungen von Jungen wirklich abgekoppelt von anderen nicht medizinisch indizierten Eingriffen regeln? Wir Grünen wollen jüdisches und muslimisches Leben in Deutschland ermöglichen. Gleichzeitig wollen wir Kinderrechte stärken. Wie schaffen wir das gemeinsam mit den Communities und den Eltern? Die meisten PodiumsteilnehmerInnen haben sich angesichts dieser ungeklärten Fragen für ein Moratorium ausgesprochen, das Raum für eine intensive und faire gesellschaftliche Debatte mit allen beteiligten Gruppen schaffen soll. Wir danken Veronika Arendt-Rojahn (ehem. Landesverfassungsrichterin), Dr. Reinhard Bartezky (Vorstand der Berliner Kinder- und Jugendärzte) Sabine Bresche (Kinderschutzbund), Sergey Lagodinsky (Jüdische Gemeinde Berlin) und Kadir Sahin (alevitischer Religionslehrer) für Ihre Beiträge und dem Publikum für die engagierte und konzentrierte Teilnahme.

Hier findet Ihr noch einige HIntergrundinformationen und Stellungnahmen sowie die BDK-Anträge zum Thema.