Der Weg zu mehr Bildungsgerechtigkeit führt in die "Eine Schule für alle Kinder"

Von Anne Albers und Meike Berg

Die Berliner Gemeinschaftsschulen (GemS) zeigen, wie erfolgreich „Eine Schule für alle Kinder“ sein kann. Jetzt gilt es, DAS politische Projekt für mehr Bildungsgerechtigkeit auch in großen und kleinen Schritten zu ermöglichen. Im R2GKoalitionsvertrag haben sich bereits im November 2016 alle drei Parteien darauf verständigt, die Berliner GemS zu stärken und sie als schulstufenübergreifende Regelschulart in das Schulgesetz aufzunehmen. Die Koalition hat hierbei u.a. zugesagt, bei Schulneubau vor allem GemS zu fördern. Berlin baut in den nächsten Jahren seine schulische Zukunft – folgerichtig wäre es, alle Neubauten von vornherein als GemS zu planen. Schulneubau ist jedoch nur eine von vielen Stellen, an denen die GemS Unterstützung brauchen.

Die GemS muss als schulstufenübergreifende Regelschulart im Schulgesetz verankert und somit die bestehende Schullandschaft weiterentwickelt werden. Die Neugründung von GemS muss gefördert werden. Schulneubauten sollen künftig nur noch als GemS geplant und eine eventuelle Fusionsphase muss mit zusätzlichen personellen Ressourcen unterstützt werden.

Alle Schulformen, auch das Gymnasium, müssen sich der Inklusion öffnen und den repräsentativen Querschnitt der Schüler*innenschaft aufnehmen. Schrittweise sollten ISSen und Gymnasien dabei unterstützt werden, sich zu GemS weiterzuentwickeln. Inklusiv arbeitende Schulen werden ebenso wie GemS besser als bisher, ähnlich wie die inklusiven Schwerpunktschulen, ausgestattet.

Das derzeit gängige „Abschulen“ von Kindern von Gymnasien auf Sekundarschulen wollen wir beenden. Auch Gymnasien müssen sich der Aufgabe stellen, Kinder individuell zu fördern und entsprechende Unterstützung zu geben.

Die Aufnahme von Schüler*innen an einer GemS folgt dem Elternwillen, wegen des besonderen pädagogischen Profils der GemS dürfen Schüler*innen dort nicht zugewiesen werden. Ziel ist es, die Bevölkerung in ihrer Vielfalt an der einzelnen Schule abzubilden. Darum sollten mindestens 50% der Plätze an GemS für Schüler*innen reserviert werden, die außerhalb des Einschulungsbereiches wohnen. Es soll somit sichergestellt werden, dass auch diese Kinder Chancen haben einen Schulplatz an einer GemS zu erhalten, wenn ihre Familien eine GemS aufgrund des pädagogischen Profils bevorzugen.

GemS wirken über die Unterrichtszeit und ihren Schulhof hinaus und bieten ihren Schüler*innen ganztägig Unterstützung. Darum muss an den GemS mehr nichtpädagogisches Personal eingestellt werden. Kompetente Unterstützung für diese vielfältigen Arbeitsaufgaben wird gebraucht durch bspw. Sozialarbeiter*innen, Werkstattleiter*innen, Verwaltungsfachpersonal, uva. Die GemS sind lebendige Schulen, die besonders von der Partizipation ihrer Akteur*innen geprägt sind. Um dies zu ermöglichen müssen zusätzliche Ressourcen bereitgestellt werden, mit denen Kooperation, Teamarbeit und Schulentwicklung vorangebracht werden können. Gleichzeitig sollten GemS gefördert werden, indem die Zahl von Schüler*innen in einer Klasse reduziert wird. Erzieher*innen erhalten entsprechend zusätzliche Zeit für die mittelbare pädagogische Arbeit, die Ausstattung mit Stunden für Sozialarbeit, Verwaltung, etc. wird erhöht.

Wir wollen, dass GemS von der Bewertung mittels Ziffernnoten abweichen können. Die Sekundarschulverordnung sollte entsprechend verändert werden.

Alle GemS müssen eine Oberstufe erhalten, mindestens in Kooperation mit einer standortnahen Schule. Die gymnasialen Oberstufen in den GemS setzen ihren Anspruch eines individualisierten Angebots für alle Schüler*innen fort und ermöglichen den Übergang aus der Mittelstufe aufgrund eines Klassenkonferenzbeschlusses auch mit einer Probezeit, es können jahrgangsübergreifende und fächerverbindende Kurse eingerichtet werden.

Meike Berg ist Lehrerin an der Fritz-Karsen-Gemeinschaftsschule und Mitglied im KV Neukölln.

 

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