Keine Lehrkräfte zweiter Klasse in Berlin!

Von Markus Trautwein

Die aktuelle Bildungsmisere in Form des massiven Lehrkräftemangels geht auf drei Akteur*innen zurück: Erstens die Berliner Universitäten, die sehenden Auges all die Jahre deutlich zu wenig Lehramtsstudierende zugelassen und ausgebildet haben. Zweitens die Berliner Landesregierung, die die Universitäten über all die Jahre nicht mit den nötigen Mitteln ausstattete und wider besseren Wissens nicht gegen den Lehrkräftemangel ansteuerte, der, das darf hier auch erwähnt werden, mitnichten nur auf Zugewanderte zurückzuführen ist. Und drittens hielt sich auf Seiten der Studierenden das Interesse am Lehrer*innenberuf in Grenzen, das dorthin führende Studium war allzu oft ein Notnagel, falls nichts anderes mehr ging.

Nun wäre es an der Zeit, dass Rot-Rot-Grün und Universitäten endlich ihre Hausaufgaben erledigen und für mehr Kapazitäten und mehr engagierte Nachwuchslehrkräfte sorgen, statt die Lücken über die nächsten Jahre mit Quereinsteiger*innen zu füllen und das skandalöser Weise noch als Erfolg zu verkaufen. Die Folgen sind jetzt schon gravierend, doch Frau Scheeres scheint die Sorgen und Nöte der überlasteten Lehrkräfte, die nun auch noch Quereinsteiger*innen einarbeiten müssen, nicht zu kümmern. Nicht zuletzt geht eine ganze Generation Schüler*innen verloren, die von Personal unterrichtet wurde, das kaum pädagogische Kenntnisse vorweisen konnte. Berufsbegleitend Lehrer*in werden? Man stelle sich dieses mal vergleichsweise bei Polizist*innen oder Pilot*innen vor...

Deshalb muss Berlin wieder zu Verbeamtung der Lehrkräfte zurückkehren, denn ein Blick in die „Bildungsrepublik“ Deutschland zeigt, dass im Zuge des Lehrkräftemangels bundesweit gerade die letzten Bastionen fallen, in denen am Angestelltenverhältnis festgehalten wurde. Die Grünen sollten offen dafür sein, dass junge Menschen heute vor allem Sicherheit und Planbarkeit wünschen, der Beamtenstatus lässt den Beruf der Lehrerin und des Lehrers schlagartig attraktiver erscheinen. Auf die Vor- und Nachteile des Beamtentums muss an dieser Stelle nicht ausführlich eingegangen werden. Berlin ist derzeit auf dem Weg, das einzige Bundesland mit angestellten Lehrkräften zu werden. Und das, obwohl wohl die wenigsten in der Republik bestreiten würden, dass die Berliner Lehrer*innen mitunter die anspruchsvollste Arbeit leisten.

Es war zwar ein richtiger und längst überfälliger Schritt, die Gehälter der Grundschulpädagog*innen anzugleichen, doch um den unsinnigen Bildungsföderalismus endlich zu überwinden, brauchen wir nicht nur deutschlandweit gleiche Besoldungen, sondern eben auch gleiche Statusgruppen. Dass Berlin weiterhin auf dem Angestelltenverhältnis beharrt, führt nicht zu mehr Gerechtigkeit, sondern zur Spaltung und automatisch zu einer Degradierung der Berliner Pädagog*innen. Natürlich fürchtet man sich im klammen Berlin vor den Pensionsansprüchen, dennoch gibt es meines Wissens nach sehr unterschiedliche Rechnungen darüber, ob Angestellte oder Beamte auf Dauer teurer sind.

Mit SPD, Linke und Grüne sind derzeit mindestens zwei Parteien an der Landesregierung beteiligt, die die Wiedereinführung der Verbeamtung kategorisch ablehnen. Es ist an den Grünen hier einen mutigen Vorstoß zu wagen. Wie lange können wir es uns noch erlauben, engagierte Nachwuchslehrkräfte an Bayern, Hamburg und vor allem Brandenburg zu verlieren? Ein einfaches Drehen an der Gehaltsschraube wird junge Nachwuchslehrerinnen und -lehrer, die sich in weiten Teilen nach Sicherheit, Planbarkeit und Anerkennung sehnen, nicht langfristig in Berlin halten und schon gar nicht nach Berlin locken können. 

Markus Trautwein ist Mitglied im KV Reinickendorf und bei der GEW. Er studiert Lehramt und arbeitet derzeit als Vertretungslehrer an einem Berliner Oberstufenzentrum.

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