Scheeres und der unbezwingbare Turm von Inklusia oder wie die Senatsbildungsverwaltung weiter stigmatisiert!

Von Gökhan Akgün

Die Senatsbildungsverwaltung arbeitet auf Hochtouren an den Zumessungsrichtlinien für Lehrkräfte und sozialpädagogisches Fachpersonal, auf dessen Grundlage die Schulen das kommende Schuljahr, ja es ist bald soweit, organisieren müssen.

Die Entwürfe, besonders bei den Lehrkräften, sind sehr unverständlich und intransparent oder anders ausgedrückt sehr geheimnisvoll und rätselhaft. Hauptsächlich die Regelungen zur Sonderpädagogik! Ein von Mathemagie durchtränktes Werk. Zahlen, Berechnungen, Werte und Faktoren.  Kolleg*innen ohne mathemagische Fähigkeiten wenden sich an den Bildungssenat und an die Sibuze[1], um zu verstehen, wie die zauberhaften Zahlen zu Stande gekommen sind. Doch siehe da, sogar die Expert*innen können die Fragen nicht beantworten, es ist halt Magie[2]! Wozu aber überhaupt Fragen? Glaube an den Zauber und versuche ihn nicht zu verstehen.

So z.B. warum alle Schüler*innen mit Lernmittelbefreiung als Indikator für die Bemessung des sonderpädagogischen Förderbedarfs genommen werden. Nach Senatsverwaltung für HokusPokus  gäbe es eine magisch verzauberte oder „eine wissenschaftlich bewiesene Kohärenz zwischen Armut und Förderbedarf“.

Nun, würde ScheeresPotter ein Häschen aus dem Hut zaubern, würde sich keine*r  die Frage stellen, wie das arme Häschen in den Hut gekommen ist. Genauso verhält es sich mit den Schüler*innen mit Lernmittelbefreiung und Förderbedarf. Die Frage, warum auffällig viele Schüler*innen mit diesem Merkmal einen erhöhten Förderbedarf haben, braucht nicht gestellt zu werden. Oder, ob diese Zahlen nicht alarmierend sind und darauf hinweisen, dass Schüler*innen aufgrund ihrer sozialen Herkunft stigmatisiert werden. Oder, ob die Schwelle für diese Schüler*innen einen Förderbedarf zu beantragen, niedriger ist als beispielsweise beim Anwaltskind.

Ähnlich wie beim Zaubern, liefern auch die Zumessungsrichtlinien am Ende eine große Überraschung. Die Anzahl der gesamten Schüler*innen der jeweiligen Schulen, werden nämlich mit der Anzahl der Lernmittelbefreiten Schüler*innen in „Kohärenz“  gebracht. Die Antwort auf die Frage, warum das nötig sei, antwortet die Senatsverwaltung: Irgendeinen mathematischen Wert müssten sie ja schließlich nehmen, um „mathematisch operieren zu können“.

Genauso wie beim „Zieh-eine-Karte,-aber-nicht-diese-Karte“ Trick! Schließlich muss da, damit der Trick auch klappt, auch  „irgendeine“ Karte gezogen werden. Aber Vorsicht, mein Ratschlag: So wie Zaubernde sich nicht von ihrem Zauber beherrschen lassen sollten, sollte sich die Bildungsverwaltung nicht von ihren Zumessungsrichtlinien beherrschen lassen.

Zudem ist dieses Verhalten uns nicht unbekannt. Ähnlich wie in diesem Fall behauptet die Senatsverwaltung immer noch, dass für alle Schüler*innen „nichtdeutscher Herkunftssprache“ per se ein erhöhter Förderbedarf bestehe.

An die Kolleg*innen im Bildungssenat: Hören sie auf so zu tun, als ob die Zumessungsrichtlinien der Stein der Weisen wäre, womit berechtigte Fragen beantwortet und Mangelzustände behoben werden können. Schluss mit dem faulen Zauber!

Die Beschäftigten, die Eltern und die Schüler*innen erwarten von Ihnen ein ernsthaftes, nachvollziehbares, transparentes und partizipatives Instrument für die Personalzumessung. Und zuletzt: Stigmata tragen zu Benachteiligungen bei und sind kein „schlechteres Übel“!

 


[1] Schulpsychologisches und Inklusionspädagogisches Beratungs- und Unterstützungszentrum (SIBUZ)

[2] Welche*r Magier*in verrät schon die eigenen Zaubertricks

Es ist schon längst bewiesen, dass lediglich 6% der Leistungsvarianz auf die soziale Herkunft zurückzuführen sind. Unterschiedliche außerschulische Lernumwelten erklären dagegen 25 – 40% der Leistungsdifferenzen.

Will der Senat gleiche Bildungschancen ermöglichen, so muss er auch an der außerunterrichtlichen Bildung, Erziehung und Betreuung an Ganztagsschulen ansetzen. Ein 1. wichtiger Schritt wäre, das Bildungsprogramm für die Ganztagsschulen, wie in Kindertagesstätten, für verbindlich zu erklären. 

Gökhan Akgün ist Mitglied bei Bunt-Grün und Vorsitzender der GEW Friedrichshain-Kreuzberg.

 

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