Schule der Zukunft – Was sollen, was werden Kinder in Zukunft lernen?

Von Dirk Jordan

Latein oder Programmieren? Kunst oder Pauken? Fakten oder Kompetenzen?  Was müssen Schüler*innen heute lernen, um sich in der digitalen Welt behaupten zu können? Was heißt Mündigkeit und Emanzipation im digitalen Zeitalter und wie schaffen Kinder den Weg dorthin? Brauchen wir ein Schulfach Medienbildung oder muss Medienmündigkeit als Querschnittsaufgabe in allen Fächern gefördert werden?

Mit diesen Fragen werden wir uns auf dem geplanten Bildungskongress am 25. Mai beschäftigen. Wie können Antworten auf diese Fragen lauten?  Hier mein Versuch in Thesen:

  1. Deutsch und andere Sprachen lernen, Rechnen und Mathematik können, in die Naturwissenschaften eintauchen, sich für Musik, Religion, Geschichte oder anderes begeistern, all das wird es in der Schule der Zukunft auch geben bzw. geben können. Die großen Änderungen wird es nicht in den inhaltlichen Bereichen geben, sie werden auch in Zukunft vorkommen, es wird aber neues hinzukommen.

     
  2. Wenn die bisherige inhaltliche Vielfalt bleibt und Neues hinzukommt, wird es zwar zur veränderten Auswahl von thematischen Bereichen und zu einer veränderten Intensität/Dauer der Beschäftigung mit den thematischen Bereichen kommen, die wesentliche Änderung in der Schule der Zukunft wird aber m.E. nicht bei dem liegen, was gelernt wird, sondern wie gelernt wird. (Das ist aber ein anderes Thema und gehört in meinen Beitrag: Schule der Zukunft 2)

     
  3. Was aber kommt nun neu an Inhalten hinzu? Programmieren? Das kann sein und ist sicher ein gutes Anwendungsfeld, um logische, mathematische, technische, ja auch kreative  Fähigkeiten und Fertigkeiten zu trainieren. Dabei geht es nicht darum, kleine Programmierer auszubilden, sondern ein realitätsnahes Anwendungsfeld zu bieten, so wie zu anderen (schlimmen ) Zeiten, die Flugbahnen von Kanonen oder die Arbeitsleistung des Aktivisten Otto Krüger berechnet wurden.

     
  4. Was aber vor allem dazukommen muss, wird mit dem Stichwort „Medienmündigkeit“ beschrieben. War es bisher für die Schule typisch, dass dort das gelernt wurde, was in Schulbüchern bzw. wohl häufiger auf Arbeitsbögen stand, d.h. was durch den Filter der Lehrperson auf dem Hintergrund des Curriculums gegangen war, wird in der Schule der Zukunft auch dort (wie zuhause) der Zugang zu Informationen technisch fast unbegrenzt sein. Was ist davon richtig, was soll ich lernen, wie entscheide ich das? Der Filter der Lehrperson wird weitgehend durchlöchert sein, auch wenn eigentlich nur die eingespielten Lehrprogramme usw. genutzt werden sollen.

     
  5. Was sind die wesentlichen Kompetenzen und Haltungen der Medienmündigkeit? Es sind m.E. vor allem die Kompetenzen und Haltungen der Mündigkeit im Allgemeinen. Wikipedia beschreibt sie so:

    „Der Begriff Mündigkeit beschreibt das innere und äußere Vermögen zur Selbstbestimmung und Eigenverantwortung. Mündigkeit ist ein Zustand der Unabhängigkeit. Sie besagt, dass man für sich selbst sprechen und sorgen kann. Mündigkeit wird oft mit dem Begriff der Emanzipation in Zusammenhang gebracht. Seit Immanuel Kant hat der Begriff Mündigkeit eine geschichtsphilosophische Bedeutung.

    In seinem berühmten Text, der Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? von 1784 schreibt Kant:

    „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. ‚Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!‘ ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“  Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Mündigkeit 

     
  6. Wie lässt sich diese allgemeine Beschreibung der Mündigkeit auf die Medienmündigkeit konkretisieren: Ich sehe da vor allem folgende drei Bereiche:

    - Emanzipation von dem Reiz der digitalen/bewegten Medien – Lernen „Nein“ zu sagen, „Medienfasten“

    - Ordnung in der Vielfalt halten können, wissen, wo was zu finden ist, was im Netz bleiben kann, was wo gespeichert werden soll u. ä.

    - Richtiges/Ausreichendes von Falschem/Unzureichendem unterscheiden können, Quellen vergleichen, eigene Fragen stellen, Informationen nachvollziehen, verstehe ich sie.
 
Dirk Jordan ist Mitglied der LAG Bildung und Volksbildungsstadtrat a.D.

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