Schule ohne Noten

Von Klara Schedlich

Von den Jesuiten im 16. Jahrhundert eingeführt etablierte sich das Notensystem in der deutschen Bildung. So lange es Noten an Schulen gibt herrscht auch schon Kritik daran, doch Noten stehen für direkte, konkrete Bewertung, Lernmotivation und gute Vorbereitung auf das Berufsleben. In der Leistungsgesellschaft, so heißt es, sei kein Platz für „Kuschelpädagogik“.

Noten vergleichen die Schüler*innen und sortieren sie aus. Wer die Tests nicht besteht hat später nicht den gewünschten Schulabschluss und dieser ist – wie uns Lehrer und Eltern von Anfang an eintrichtern – doch so wichtig. Es entsteht Leistungsdruck, welcher zusammen mit Versagensängsten das Lernen der Kinder erschwert. Das war wohl nicht der Sinn der Sache...

Die Ziffern eins bis sechs sind weder eine Hilfe bei der Überwindung von Schwierigkeiten, noch bei der Lehrplanung und motivieren tun sie die Schüler auch nicht zur Genüge, denn wir wissen: Die meiste Motivation entspringt einer guten Lernatmosphäre.

Des Weiteren können Noten keine objektive Bewertung sein. Lehrer*innen sind Menschen. Und Menschen haben verschiedene Gemütszustände, Vorlieben und Abneigungen und sind beeinflusst durch Klischees. So hat man herausgefunden, dass der Name, Geschlecht, Gewicht, Herkunft und Schriftbild der Schüler*innen ebenso Einfluss auf die Note haben, wie die Beschäftigung der Eltern und die Arbeiten der Mitschüler*innen. Jede*r Lehrer*in gewichtet die Kriterien auch individuell.

Damit steht fest, dass Ziffern nicht zum Vergleich von Leistungen geeignet sind. Es müsste der Fokus geändert werden. Stünde der Lernerfolg, die Kompetenzen der Schüler*innen im Vordergrund, so wäre die Bildung effektiver und nachhaltiger und damit auch eine bessere Lebensvorbereitung.

„Schule ohne Noten“ bedeutet jedoch nicht Schule ohne Bewertung. Erforderlich ist eine differenzierte und transparente Rückmeldung. Anstatt der Scheinklarheit von Ziffern gäbe es detaillierte Kommentare, Entwicklungsberichte, Kompetenzraster, individuelle Gespräche. Der Entwicklungsstand, Begabungen und Potenziale würden berücksichtigt.

Selbstverständlich wäre dies, wie es bei den meisten großen Veränderungen der Fall ist, ein Prozess und eine Umstrukturierung könnte nicht von heute auf morgen geschehen. Damit einhergehende Methoden wären sinnvoll, wie beispielsweise mehr selbstbestimmtes Lernen, alternative Lehrmethoden und mehr gelebte Demokratie an Schulen. Außerdem erforderlich sind ausreichend Lehrstellen und gute Aus- und Weiterbildung von Lehrer*innen.

Solche Schulkonzepte existieren bereits mehrfach in Deutschland. Die Gutenbergschule Wolmirstedt, die Laborschule Bielefeld, in Mannheim die Gerhart-Hauptmann-Schule oder die Primus-Schule Minden bilden ihre Schüler*innen notenfrei.

Wenn wir uns zuletzt die Bildungslaufbahnen von Menschen, wie den Gründern von Google, Amazon und Wikipedia, sowie die des Koordinators der PISA-Studien ansehen wird klar: Nach dem Besuch einer Montessori-Schule kann man beruflichen Erfolg haben.

Also was spricht noch dagegen? Schaffen wir die Noten ab!

Klara Schedlich ist Sprecherin der Grünen Jugend Nord-Berlin und Mitglied im Fachforum Bildung der GJB.

 

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