Vier Punkte für eine Bildungspolitik, die an alle denkt

Von Robin Völker

Was könnten konkrete Schritte zu einer besseren, sprich heterogeneren Zusammensetzung der Schüler*innenschaft in Berlin sein? Es braucht sowohl Anreiz-, als auch regulatorische Maßnahmen. Denn ohne ersteres werden die Beharrungskräfte zu groß sein. Aber ohne zweiteres werden wir nicht die Fortschritte erreichen, die notwendig sind. Ein falsches Verständnis von Deliberation und Libertarismus führt dazu, dass am Ende jede*r vor allem an sich selbst denkt. Nur:  wer denkt dann alle? 

Folgende vier Punkte sind zentral:

1. Bessere Verzahnung von Bildung-, Sozial- und Wohnungspolitik

Es ist völlig klar: Bildungspolitik alleine wird nie in der Lage sein allen Kindern die gleichen Chancen für das spätere Leben zu geben. Es braucht – wie so häufig und richtig zitiert – eben das ganze Dorf. Dabei dürfen Bildungs- und Sozialpolitik nicht gegeneinander ausgespielt werden. Die geringe Abrufquote von Mitteln aus dem Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) zeigt, dass wir mehr kosten- und barrierefreie  Angebote vor Ort brauchen – vom Mittagessen bis zur Nachhilfe. Mittel sollten viel stärker direkt an die Schulen mit Förderbedarf gehen, um gute Leistungen für alle anbieten zu können. Dies gilt für Mittel aus dem BuT, aber auch ganz allgemein. . Wir brauchen zweitens eine bessere Förderung für Kinder aus ärmeren Familien, z.B. durch eine Kindergrundsicherung. Und wir brauchen eine gute Stadtentwicklungs- und Wohnungspolitik, die Verdrängung verhindert und die soziale Diversität in unseren Kiezen erhält und wiederherstellt.

2. Verbindliche Grundschulzeit auf sechs Jahre verlängern

Die Evaluation von Prof. Baumert zeigt, dass Schüler*innen an Frühgymnasien nicht besser lernen als vergleichbare Schüler*innen auf der Grundschule. Gleichzeitig sind es häufiger gerade Kinder aus bildungsnahen Familien, die die Grundschule zwei Jahre früher verlassen. Das vorzeitige Verlassen der Grundschule ist segregierend und pädagogisch unnötig. Wir brauchen daher dringend eine verbindliche Grundschulzeit von sechs Jahren. Zudem brauchen wir rechtssichere und bessere zugeschnittene Einschulungsbereiche in den Bezirken, die eine heterogene Zusammensetzung der Grundschulen garantieren.

3. Übergang auf Sekundarstufe neu regeln und Probejahr abschaffen

Das derzeitige System, in welchem bei Übernachfrage 60 Prozent der Plätze nach Aufnahmekriterien wie Tests oder die Durchschnittsnote der Förderprognose zum Zuge kommen, stehen einer heterogeneren Zusammensetzung der Schüler*innenschaft im Weg. Zukünftig sollten neben Härtfall- und Geschwisterregelungen nur noch das Los im Fall von nicht ausreichenden Schulplätzen zum Zuge kommen. Des Weiteren muss das Probejahr am Gymnasium abgeschafft werden.

4. Ausbau der Gemeinschaftsschulen vorantreiben und ISS stärken

An neuen Schulstandorten sollten ausschließlich Gemeinschaftsschulen mit Grundstufe und gymnasialer Oberstufe entstehen.  Zudem müssen ISS und Gemeinschaftsschulen noch attraktiver werden. Dazu gehört unabdingbar eine eigene gymnasiale Oberstufe oder im Verbund. Die fehlende Oberstufe ist eines der zentralen Nachteile.  Bonuszahlungen, sowie Entlastungen im Stundendeputat von Lehrer*innen können wichtige Anreize für Lehrer*innen darstellen an Gemeinschaftsschulen oder an Schulen mit besonderen Herausforderungen zu wechseln. Außerdem gilt es Angebote des Gymnasiums auf Gemeinschaftsschulen auszuweiten. Warum zum Beispiel sollte nicht auch der altsprachliche Bildungsgang der Gymnasien als Wahlfächer auf Gemeinschaftsschulen übertragen werden?

Robin Völker ist Mitglied im Kreisverband Neukölln.

 

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