Bolognareform - es bleibt noch immer viel zu tun

03.06.11 –

Die Berliner Hochschulen haben mittlerweile fast alle Studiengänge auf das neue Bachelor- und Mastersystem umgestellt. Hauptziel der sogenannten Bolognareform war und ist es, durch die Modularisierung der Studienangebote wichtige Bereiche des Studiums zu verbessern. Ganz vorne steht dabei die Verbesserung der Studierbarkeit, die Anerkennung von Leistungen, die an anderen Hochschulen erbracht wurden (Mobilität), und die Möglichkeit, individueller und flexibler studieren zu können (Qualität). 

Aber die Realität an den Hochschulen sieht in vielen Fällen leider anders aus:

In zu vielen Studiengängen bringt der Prüfungsmarathon die Studierenden und Lehrenden an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit, und die Studienordnungen sind so kleinteilig geworden, dass der Wechsel zwischen Hochschulen oder auch einzelnen Fächern nicht mehr möglich ist. Dies ist vor allen an den Universitäten noch immer ein Problem. Der Studienalltag wurde häufig so überfrachtet, dass Studierende mit Familie, mit Nebenjob oder Studierende, die Angehörige pflegen müssen, immer das Nachsehen haben: Denn viele Seminare werden höchstens einmal im Jahr angeboten, der Zugang zu ihnen wird teilweise sogar per Los bestimmt.
Die Liste der Mängel ließe sich noch lange fortführen, und die Schuldzuweisungen zwischen Studierenden, Hochschulen und Senatsverwaltung drehen sich im Kreise. An einem Punkt sind sich jedoch alle einig: Es ist noch viel zu tun!

Die LAG Wissenschaft hat zusammen mit der Fraktion im Abgeordnetenhaus deshalb schon sehr früh den Dialog mit den Betroffenen gesucht und die Frage gestellt, wo welches Problem nicht nur beklagt, sondern gelöst werden kann. Denn wir haben in Berlin viele Akteure und Entscheidungsebenen - vom gesetzgebenden Parlament, über die Senatsverwaltung über die Hochschulleitungen, die Fakultäten hin zu den Instituten und einzelnen Studiengängen. Zusammen haben wir ein Positionspapier erarbeitet, das einstimmig vom Landesverband beschlossen wurde (siehe Anhang).

Unsere drei wichtigsten Forderungen sind:

  • Bologna in das Berliner Hochschulgesetz! Das neue BerlHG ist eine Enttäuschung und muss dringend überarbeitet werden. Wir fordern in diesem Zusammenhang die Festlegung klarer studierbarkeitsorientierter Vorgaben und Regeln für Bachelor- und Masterstudiengänge sowie umsetzbare Regelungen für das Teilzeitstudium, zur Vereinbarkeit von Familie und Studium, Wahlfreiheit und der Anerkennung von Studienleistungen.
  • Studierbarkeit verbessern! Die Hochschulen sind aufgefordert, die neuen Studien- und Prüfungsordnungen flächendeckend zu überarbeiten und die Studierbarkeit und Mobilität deutlich zu verbessern.
  • Verantwortung tragen! Das Land Berlin darf nicht wieder an der Qualität sparen, sondern muss für diese flächendeckende Überarbeitung der Studien- und Prüfungsordnungen den Hochschulen und der Senatsverwaltung ausreichende zusätzliche Mittel und Ressourcen zur Verfügung stellen