Eine Stadt für die Jugend

09.05.11 –

In Berlin leben rund 25 000 Jugendliche im Alter von 14 Jahren. Grund genug sich zu fragen: wie werden eigentlich Jugendliche in Berlin auf ihrem Weg ins Erwachsenen-Leben begleitet? Die Jugend ist die Zukunft der Stadt – sie wird morgen hier arbeiten, politisch mitbestimmen und Lebensumwelt verändern. Ganz im Sinne des bündnisgrünen Demokratie-Verständnisses sehen wir uns darum in der Pflicht, diesen Übergang aktiv mit zu gestalten. Die wichtigste Aufgabe von Jugend- und Bildungspolitik ist demnach, junge Menschen zu verantwortungsbewussten, mündigen Bürgerinnen und Bürgern zu erziehen, die teilhaben, die mitreden wollen und die bereit sind, sich für Berlin und unsere Gesellschaft zu engagieren.

Renate Künast, die grüne Kandidatin für das Amt der Regierenden Bürgermeisterin, besuchte am vergangenen Samstag gleich zwei Veranstaltungen, bei denen genau diese Thematik im Vordergrund stand. Beim Bildungskongress der Grünen Fraktion im Abgeordnetenhaus stellte Renate Künast ihre Ideen für eine bessere Bildung in Berlin vor. Berlin braucht eine Qualitätsoffensive in der Bildung und zwar auf ganzer Linie: Es reicht nicht aus, die Mindeststandards Sauberkeit, Sicherheit, gut ausgebildetes Lehrpersonal und ausreichende Ausstattung zu erfüllen. Erziehung muss darüber hinaus in einer Atmosphäre von Vertrauen und gegenseitigem Respekt stattfinden und Schule muss ein Raum werden, wo man sich gegenseitig etwas zutraut. Nur so können junge Menschen selbständiges Denken erlernen. Das allerdings kann nicht „von oben“ per Gesetz angeordnet werden, stattdessen sind alle gefragt – Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrerinnen und Lehrer und Kiezbewohnerinnen und Kiezbewohner.

Emanzipation ermutigen – darum ging es auch bei der Jugendfeier des Humanistischen Verbands Deutschland (HVD) im Friedrichstadtpalast. Renate Künast sprach vor über 400 Jugendlichen, die die Jugendweihe empfingen und damit feierlich in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen wurden. Die Jugendweihe ist das Äquivalent zur evangelischen Konfirmation oder zur katholischen Kommunion, und ist im Gegensatz zu diesen kein kirchliches Ritual. In insgesamt 10 Feiern wird die Jugendweihe in diesem Berliner Frühling zelebriert. Ein wichtiges Ereignis für viele Jugendliche, denn es steht symbolisch für die Beendigung der Kindheit und ist damit der erste Schritt in ein selbstbestimmtes Leben. In ihrer Rede gab Renate Künast den Jugendlichen, Erich Kästner zitierend, mit auf den Weg, dass Spielregeln keineswegs unantastbar seien. Im Gegenteil: "Sie wandeln sich, wenn man sie antastet." Und sie ermutigte deshalb die Jugendlichen, sich auf sich selbst und auf ihr Gewissen zu verlassen. Das sei schon das ganze Rüstzeug, das man brauche für das Leben. Und dann könne man auch die Welt verändern.