Ergebnisprotokoll 14.3.18 zu weiblicher Genitalverstümmelung

22.03.18 –

Liebe LAG Ges./Soz. Interessierte, 
die wichtigsten Ergebnisse des Fachgesprächs zur Prävention von Genitalverstümmelung und zur Hilfe von betroffenen Frauen:

Dirk Behrendt, Senator für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung berichtete, dass die weibliche Genitalverstümmelung seit 2013 einen eigenen Straftatbestand in Deutschland erhalten hat (und nicht mehr als schwere Körperverletzung eingeordnet wird) wurde seitdem kein einziger Fall vor Gericht gebracht. Die Macht der Communities  und die kulturellen und familiären Vorgaben verhindern vermutlich eine Anzeige. Seit 2017 dürfen, wenn es "begründete Hinweise" gibt, dass eine Reise in das Heimatland zur "Ferien- Genitalverstümmelung" geplant ist, bei der Ausreise die Pässe eingezogen werden. Auch hier gibt es keine gemeldeten Fälle.  Die Gesetze dienen aktuell eher der Vermittlung der hier geltenden Normen und tragen hoffentlich auf diese Weise zur Verhinderung von Verstümmelung bei.

Diskussionsbeitrag: Veränderungen des Verhaltens werden sehr selten über "Strafandrohung" erreicht, Prävention ist zielführender.
To do: Nachfrage bei der Berliner KV bei den Ärzten, inwieweit sie mit dieser Körperverletzung und den Folgen konfrontiert sind, um einen Überblick über das Ausmaß zu erhalten.

 

Dr. Cornelia Strunz, Desert Flower Center, Krankenhaus Waldfriede : Frau Strunz und ihr Team setzen sich seit Jahren für die betroffenen Frauen ein. Über eine Selbsthilfegruppe kommen die Frauen in Kontakt mit dem Krankenhaus, das mit Operationen die  Verstümmelung  teilweise rückgängig machen kann oder wenigstens das Ausmaß der Folgen (chronische Schmerzen, Inkontinenz) heilen kann. Das Krankenhaus Waldfriede ist engagiert und organisiert auch die Finanzierung des Eingriffs über Spendenmittel, wenn kein ausreichender Krankenversicherungsschutz gegeben ist.  Es gibt in Berlin eine große Nachfrage nach Hospitation und Fortbildung von ärztlicher Seite und auch von z.B. Lehrer*innen.  Ein weiterer Vortrag von Frau Strunz vor  Psychotherapeuti*innen in Berlin, die auch mit Geflüchteten arbeiten, wurde angeregt. 

Maja Wegener, Terre des Femmes : Frau Wegener berichtete über ihre Arbeit und die verschiedenen Projekte, mit denen sie in den Communities für ein Ende der Verstümmelungen wirbt. Die Finanzierung der Projekte ist immer befristet. Längerfristige und gesicherte Finanzierungen wären natürlich sehr wünschenswert. Die gesundheitspolitische Sprecherin Grüne Fraktion im Abgeordnetenhaus, Catherina Pieroth und Frau Wegener setzen sich dazu in Verbindung, auch  Anja Kofbinger, Sprecherin für Frauen-, Gleichstellungs- und Queerpolitik, Grüne Fraktion im Abgeordnetenhaus ist schon lange  in dieser Problematik engagiert und äußert über Freude darüber, dass inzwischen viele erfolgreiche Aktivitäten stattfinden.

 

Die Diskussion wurde von Wolfgang Schmidt moderiert.

 

Bald folgt die nächste Veranstaltungsankündigung!