Olympia in Berlin?

Die Olympia-Debatte gewinnt an Fahrt, dabei stehen viele Menschen in Berlin den Plänen des Senats ausgesprochen skeptisch gegenüber. Wir Grüne finden: Zu Recht! Natürlich „kann“ Berlin Olympia. Bei der Fussball-WM 2006 haben die Berlinerinnen und Berliner gezeigt, dass sie wunderbare Gastgeber für internationale Sportereignisse sein können. Aber die rot-schwarze Koalition ist bislang den Beweis schuldig geblieben, dass sie Großprojekte kann – erst recht nicht mit einer ernstgemeinten Bürger*innenbeteiligung. Selbst aus der Niederlage beim Volksentscheid Tempelhof hat Rot-Schwarz offenbar nichts gelernt, wie die Posse um ihre bisherige „Bürgerbefragung“ zu Olympia zeigt. Skeptisch sind wir Grüne aber auch angesichts eines Internationalen Olympischen Komitees (IOC), das zwischenzeitlich mehr für Größenwahn und Kommerz steht als für die ursprüngliche olympische Idee.

Berlin braucht keine Olympischen Spiele, bei denen nicht der Sport im Vordergrund steht, sondern Gigantismus, Prestigedenken und der Profit des IOC. Berlin kann sich angesichts knapper Kassen solche Spiele auch gar nicht leisten, bei denen zentrale staatliche Aufgaben wie Bildung, Klimaschutz oder Infrastruktur chronisch unterfinanziert bleiben. In Berlin wird es deshalb keine Mehrheit für eine Olympiade alten Stils geben – es sei denn, Senat und IOC treten den Beweis an, dass es auch anders geht, indem sie ihre Pläne an den Wünschen der Berlinerinnen und Berliner und den Erfordernissen einer nachhaltigen Stadtentwicklung ausrichten.

Kann es Olympische Spiele geben, die bescheiden sind, dem Sport dienen, und von denen Berlin noch etwas hat, wenn die olympische Familie mit ihrem Tross längst wieder abgereist ist? Aus grüner Sicht ist die Olympia-Debatte eine gute Gelegenheit, in der Stadt darüber zu diskutieren, was moderne Bürger*innenbeteiligung, ökologische Stadtentwicklung sowie eine transparente Planung und nachhaltige Finanzierung öffentlicher Projekte ausmachen. Wir wollen als Grüne diese Debatte nutzen, um für eine andere politische Kultur und eine ökologisch-soziale Stadtentwicklungspolitik zu werben. Eine grüne Zustimmung zu einer möglichen Olympiabewerbung Berlins gibt es nur bei einer echten Reformbereitschaft des IOC und einem Senatskonzept, das zentralen grünen Kriterien entspricht:

•  eine umfassende Bürger*innenbeteiligung von Anfang an
•  die Beachtung von Ökologie und sozialer, baulicher und finanzieller Nachhaltigkeit
•  Bescheidenheit und olympischer Geist statt Gigantomanie und Profitmaximierung
•  ein Maximum an Transparenz auf allen Ebenen.

August 2014