03.09.26 –
Unsere Positionen zu der „Strategie zur Steigerung der Bildungsqualität im Land Berlin“
Beschluss der Landesarbeitsgemeinschaft Bildung
BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN Berlin
3. September 2026
Präambel
Die vorgelegte Qualitätsstrategie ist das Ergebnis eines mühsamen und langjährigen Prozesses in Berlin, der mit der Vorlage der Ergebnisse der „Köller-Kommission“ („Empfehlungen zur Steigerung der Qualität von Bildung und Unterricht in Berlin“) 2020 begann1. In unserem Wahlprogramm 2026 fordern wir, dass „eine abgestimmte Gesamtstrategie Schulqualität partizipativ entwickelt werden (soll). Besonderes Augenmerk soll dabei auf der Qualität der Abschlüsse liegen, und die Zahl der Schulabgänger*innen ohne Abschluss soll deutlich gesenkt werden.“
In Umsetzung dieser Forderung wollen wir, dass die mit dem Qualitätsbeirat partizipativ entwickelte und von Sen BJF im Dezember 2025 vorgelegte „Strategie zur Steigerung der Bildungsqualität im Land Berlin“ unter folgenden Maßgaben weiterentwickelt und umgesetzt wird:
1) Eine noch so gut formulierte Bildungsstrategie ist nur so gut, wie ihre Umsetzung gut ist. Wir erwarten daher, dass die in der Erklärung des Qualitätsbeirats vom 28.11.20252 geäußerten Anforderungen an die Umsetzung der Strategie beachtet werden. Sie sind für uns Maßstab für die Unterstützung der Umsetzung. Das schließt auch ein, dass die vorgesehenen lernprozessbegleitende Diagnosen und Tests nicht als individuelle Leistungskontrollen und Bewertungsinstrumente genutzt und auch nicht von Schüler*innen und Eltern so wahrgenommen werden dürfen.
„Auf Ebene der Schulen erfordert eine zielführende Datennutzung zudem eine Leitungs- und Teamkultur. … Erforderlich ist ferner eine ausreichende Datenkompetenz der Fachteams. … Für die systematische Auseinandersetzung mit den Daten und die Ableitung von Maßnahmen zur Unterrichtsgestaltung im Kollegium müssen schulinterne Arbeitsstrukturen und Zeitkorridore zur Verfügung stehen.… Bei der Gestaltung dieser Prozesse und der Entwicklung einer konstruktiven und produktiven Feedbackkultur kommt den Schulleitungen und Fachgruppenleitungen eine zentrale Rolle zu.“3
2) Es bedarf darüber hinaus eines transparenten Verfahrens zur Evaluierung der in der Strategie selber formulierten Handlungserwartungen an alle Akteure beginnend bei der jeweiligen Hausspitze bis zu den pädagogischen Fachkräften vor Ort, um zu sichern, dass alle Akteure ihrer Verantwortung für den umfassenden Bildungserfolg aller Kinder und Jugendlichen gerecht werden. Die Evaluation ist einem kompetenten und unabhängigen Partner zu übertragen.
3) Bildungsstrategie von Geburt an. Die Strategie zielt zu Recht darauf, dass sich alle Beteiligten als verantwortliche Akteure eines bildungsphasenübergreifenden Gesamtsystems zur Förderung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen verstehen. Das bezieht auch ausdrücklich die Frühe Bildung als Elementarstufe in die Verantwortung für den Bildungserfolg der Kinder und Jugendlichen mit ein, wobei jede Stufe ihre eigene Pädagogik hat. Wie der Bereich „Bildung, Erziehung, Betreuung“ in den anschließenden Ganztagsgrundschulen besser in diese Ausrichtung der Elementarstufe einbezogen kann, wollen wir bei der Weiterentwicklung und Umsetzung der Strategie zusätzlich einbringen.
4) Die im Handlungsfeld 1 vorgesehene „datengestützte Qualitätsentwicklung“ macht nur Sinn, wenn sichergestellt wird, dass die erhobenen Daten die individuelle Förderung eines jeden Kindes und Jugendlichen verbessern. Dazu braucht es die nötigen Ressourcen (Professionalisierung, Zeit) für die Lehrkräfte. Wir wollen, dass die Erfahrungen und Erfolge der Schulpreisträgerschulen wie die Wilhelm-von-Humboldt-Gemeinschaftsschule oder die Maria-Leo-Grundschule in Berlin „Schule machen“. Kurz: Diagnostik ist kein Selbstzweck.
5) Die ebenfalls im Handlungsfeld 1 vorgesehene „datengestützte Ressourcensteuerung“ wollen wir auch dazu nutzen, die bei der Inklusion begonnene Gleichmacherei zu revidieren, und den Schulen, die vor besonderen Herausforderungen stehen, die nötigen Ressourcen verbunden mit einer entsprechenden Qualitätsvereinbarung zukommen lassen. Kurz: Ungleiches ungleich behandeln.
6) Wir wollen sicherstellen, dass die im Handlungsfeld 2 definierte „Förderung der sprachlichen und mathematischen Kompetenzen“ als grundlegendes Fundament für die Entwicklung aller Kompetenzen und für Bildung im umfassenden Sinne gestärkt und nachhaltig gesichert wird. Sprachliche und mathematische Kompetenzen bilden im Zusammenspiel mit sozialen und emotionalen Kompetenzen eine wesentliche Grundlage nicht nur für eine erfolgreiche Bildungslaufbahn, sondern auch für ein selbstbestimmtes und erfolgreiches Leben4. Kurz: Basale Kompetenzen als Voraussetzung.
7) Um die im Handlungsfeld 3 enthaltenen Vorgaben zur Sozialraumorientierung und Kooperation zu verstärken und mit Leben zu füllen, bedarf es z.B. im Rahmen des kommunalen Bildungsmanagements der gemeinsamen Verantwortung aller Beteiligten vor Ort für den Bildungserfolg der Kinder und Jugendlichen sowie der nötigen Zeit, um die Kooperationen erfolgreich zu gestalten. Kurz: Eine Verbesserung der Lernerfolge braucht die Kooperation aller Akteure.
8) Die vorgelegte Strategie sollte in enger Zusammenarbeit mit den relevanten Stakeholdern um folgende Aspekte erweitert werden, ohne den Fokus auf das Ziel zu verlieren, die Qualität der Abschlüsse zu verbessern und die Zahl der Schulabgänger*innen ohne Abschluss deutlich zu senken:
Das Vorhaben einer Strategie zur Steigerung der Bildungsqualität im Land Berlin ist ein so umfassendes und anspruchsvolles Vorhaben, dass es die Unterstützung aller braucht und eine Offenheit für Veränderungen und Anpassungen. Es verlangt von allen viel und braucht auch Geduld. Die entscheidenden Gelingensbedingungen dafür sind gegenseitiges Vertrauen und gemeinsame Verantwortung.
1) https://www.berlin.de/sen/bildung/unterricht/schulqualitaet/qualitaetsbeirat/
2) https://www.berlin.de/sen/bildung/unterricht/schulqualitaet/qualitaetsbeirat/
3) https://swk-bildung.org/content/uploads/2026/03/SWK_2026_Gutachten_Datengestuetzte-Entwicklung.pdf, S.31 (gekürzt)
4) Vgl. https://gruene-bag-bildung.de/wp-content/uploads/2023/09/2023-07-01-Positionspapier-BAG-Bildung-in-Gruene-Hand-1.pdf
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