Olympia: Das IOC springt zu kurz

Zu den Beschlüssen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Monaco erklären die Landesvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen Berlin, Bettina Jarasch und Daniel Wesener:

„Die Beschlüsse sind eine Enttäuschung für alle, die auf eine echte Reform des IOC und nachhaltigere, demokratischere Olympische Spiele gehofft haben. Die meisten Neuerungen fallen deutlich hinter das zurück, was Kritiker seit vielen Jahren fordern und was notwendig ist, um verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. Es ist deshalb mehr als fraglich, ob dieses „Reförmchen“ reicht, um die Berlinerinnen und Berliner von der Idee einer Olympia-Bewerbung zu überzeugen.

Aus grüner Sicht springt das IOC insbesondere beim Thema „Host-City-Verträge“ zu kurz. Dass die nicht länger als geheime Verschlusssache behandelt werden sollen ist gut, aber eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Das Kernproblem, dass diese Verträge alle finanziellen Risiken den austragenden Städten überhelfen, bleibt leider bestehen. Wenn es um die eigenen Gewinne und Steuerprivilegien geht, ist das IOC offenbar zu keinen Zugeständnissen bereit. Im Gegenteil: Manche der beschlossenen Neuerungen dürften die Kommerzialisierung des olympischen Sports und den Event-Charakter der Spiele noch verstärken.  

Ein Teil der Reformvorschläge von IOC-Präsident Bach lässt durchaus guten Willen erkennen, kommt aber nicht über Absichtserklärungen hinaus. So bleibt völlig offen, welchen Stellenwert die Menschenrechte zukünftig bei der Entscheidung über die Vergabe und bei der Durchführung Olympischer Spiele wirklich haben. Eine erste Nagelprobe dürfte die Entscheidung über den Austragungsort der Winterolympiade 2022 sein, für die nur noch Peking und Almaty als Bewerberstädte übrig geblieben sind.“