07.06.26 –
Zu den heute veröffentlichten Zahlen zu antimuslimischen Übergriffen und Diskriminierungen 2025 der Melde- und Informationsstelle “report! Berlin” erklärt Philmon Ghirmai, Landesvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen Berlin:
„975 dokumentierte antimuslimische Übergriffe und Diskriminierungen in einem Jahr sind ein Alarmsignal für Berlin. Fast drei Vorfälle pro Tag zeigen, antimuslimischer Rassismus ist für viele Berliner*innen bittere Realität. Die Mehrheit der Fälle betrifft muslimische Frauen. Der Anstieg um mehr als 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr ist erschütternd. Es ist von einer höheren Dunkelziffer auszugehen. Antimuslimischer Rassismus ist tief in unserer Gesellschaft verankert und ein strukturelles und institutionelles Phänomen, das sich durch alle Lebensbereiche zieht. Menschen werden beleidigt, bedroht, angegriffen oder bei der Wohnungssuche, in Behörden, in Bildungseinrichtungen und andernorts benachteiligt.
Antimuslimischer Rassismus greift den Zusammenhalt in unserer Stadt und die Grundlagen unserer Demokratie an. Der Bericht zeigt, wie eng Übergriffe und Diskriminierungen mit gesellschaftlichen Debatten über Migration, Asyl und Sicherheit verknüpft sind. Politik muss Vorurteilen und pauschalen Zuschreibungen entgegentreten, statt sie zu befördern.
Die aktuellen Zahlen machen deutlich, dass Berlin eine konsequente Strategie gegen antimuslimischen Rassismus braucht. Dazu gehören weiterhin bessere Erfassung von Vorfällen, starke Beratungs- und Beschwerdestrukturen, mehr Präventionsarbeit an Schulen sowie eine nachhaltige Unterstützung von Betroffenen und zivilgesellschaftlichen Initiativen. Dazu zählt auch die Abschaffung des Neutralitätsgesetzes, um diskriminierende Praxis in staatlichen Institutionen zu beenden und Gleichbehandlung sicherzustellen. Zudem müssen die Ergebnisse der “Expert*innenkommission antimuslimische Rassismus” ressortübergreifend umgesetzt und Lücken im Schutz vor Diskriminierung in Behörden, Schulen und Arbeitswelt systematische geschlossen werden, einschließlich LADG-konformer Schulregelungen.
Der schwarz-rote Senat bleibt beim Kampf gegen antimuslimischen Rassismus hinter den Herausforderungen zurück. Es fehlt sowohl an einem Gesamtkonzept als auch am politischen Willen, entschieden gegenzusteuern.”
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