26.08.25 –
Die Möglichkeit zur Teilhabe an der Gesellschaft, sich einbringen zu können, ist in jedem Lebensalter wünschenswert. Ältere Menschen bleiben damit länger geistig und körperlich fit, leiden weniger an Vereinsamung. Es ist anzunehmen, dass die Teilhabe auch dazu beitragen kann, Pflegebedürftigkeit zu verhindern oder hinauszuzögern.
Marcel Fratzscher erzeugte mit folgender Forderung jedoch Kopfschütteln: „Wir sollten ein verpflichtendes soziales Jahr für alle Rentnerinnen und Rentner einführen“, sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung – DIW in einem Spiegel-Interview. Er forderte darin mehr Solidarität der Alten mit den Jungen.
Hat sich Marcel Fratzscher mit der Lebensrealität von Menschen im Rentenalter ausreichend auseinander gesetzt?
41,4 Prozent der Menschen im Ruhestand sind ehrenamtlich engagiert (siehe Kurzfassung 4. Engagementbericht** S. 16), und zwar nicht nur ein Jahr, sondern die meisten für viele Jahre, solange dies eben gesundheitlich möglich ist. „Die Altersgruppe der 65-jährigen und Älteren – Menschen dieser Altersgruppe können aufgrund des Ruhestandes in der Regel unabhängig von Erwerbsarbeit agieren – investiert hingegen mehr Zeit pro Woche in ihr Engagement" (4. Engagementbericht* S. 143). Ohne das freiwillige Engagement von Älteren in den Bereichen Kultur, Sport, Naturschutz, Nachbarschaftshilfe, Kinder- und Jugendarbeit, Sprachförderung von Migranten, Besuchsdiensten und anderen sozialen Feldern, wäre das Gemeinwesen in Deutschland um einiges ärmer und weniger lebendig.
Zusätzlich sorgen viele Menschen im Rentenalter durch Pflege von An- und Zugehörigen und Enkeldienste dafür, dass ihre Kinder im erwerbsfähigen Alter ihrem Beruf nachgehen können.
Wenn wir weiter ein lebendiges Gemeinwesen erhalten wollen, sollten wir viel mehr für einen besseren, diskriminierungsfreien Zugang zur Freiwilligen Arbeit sorgen. Denn Menschen, die an der Grenze zur Altersarmut leben, haben weniger Ressourcen, um sich ehrenamtlich zu engagieren, weil ihnen das Geld für zusätzliche Fahrtkosten fehlt oder weil ihr Leben wenig Anregungen dafür bietet. Menschen mit Migrationshintergrund „werden seltener auf ein Engagement angesprochen und sind seltener im formellen Engagement von etablierten Organisationen vertreten.“ (Kurzfassung 4. Engagementbericht** S. 22)
Bei aller Verteilungsdebatte um Generationengerechtigkeit, wäre es an der Zeit uns zu fragen, wie wir die bestehenden Strukturen verbessern, um eine lebenswerte Gesellschaft zu erhalten.
Das bürgerschaftliche Engagement von älteren Menschen soll freiwillig bleiben und nicht verpflichtend eingeführt werden. Die Chancen auf Partizipation sind wichtige Motivatoren.
Eine verpflichtende Regelung setzt hingegen den Erlass eines Gesetzes und den Aufbau einer gigantischen Bürokratie voraus, mit der das Geschehen überwacht und bspw. festgelegt wird, in welchen Fällen Ausnahmen bestehen.
Von Antonia Schwarz