Strategiepapier Gebäude Flughafen Tempelhof

Der Koalitionsvertrag vom Dezember 2016 beinhaltet ein klares Konzept für den Gebäude - Komplex des Flughafen Tempelhof. Dort heißt es u. a.: „Das Flughafengebäude bleibt in öffentlicher Hand und wird für kulturelle, kreativwirtschaftliche und öffentliche Nutzungen hergerichtet. Gebäudeteile und das Vorfeld können als Eventstandort genutzt werden. Das Nutzungskonzept wird partizipativ entwickelt und soll bereits parallel zu den notwendigen Sanierungsmaßnahmen Nutzungen und einen Gedenkort ermöglichen.“ (S. 35) Und an anderer Stelle (S. 123): „Landesflächen sollen für kulturelle Zwecke mit-, um- bzw. nachgenutzt werden, z. B. der ehemalige Flughafen Tempelhof…“

Von einer Umsetzung dieser vertraglich gesicherten Vereinbarung sind wir weit entfernt. Wir fordern die Koalitionär*innen auf, die federführenden Senatsverwaltungen, namentlich Stadtentwicklung und Kultur, dazu anzuhalten und zu unterstützen, dass eine zügige Umsetzung dieser Vereinbarung in Angriff genommen wird.

Begründung:

Der Gebäude - Komplex des Flughafen Tempelhof bietet das Potenzial und die einmalige Chance, zu einem Leuchtturm und Anker für die zahllosen Künstler*innen und Kreativen in Berlin und weit darüber hinaus zu werden. Ähnlich dem Hamburger Gebiet der Kampnagel - Fabrik, aber um ein Vielfaches größer, lassen sich hier Produktions -, Präsentations- und Lagerungsstätten errichten, die der Verdrängung und dem Raummangel, dem mit kleinteiligen Maßnahmen nicht beizukommen ist, eine substanzielle Erleichterung verschaffen.

Tatsächlich fehlt es jedoch von Seiten der Verantwortlichen an einem klaren Konzept und einem erkennbaren Willen, die Zukunft des Gebäudes zu gestalten. Ein halbherzig begonnener Beteiligungsprozess ist stecken geblieben, in der Öffentlichkeit herrscht völlige Unklarheit über Lage, Grundriss und Zustand der einzelnen Räume sowie über etwaige Auflagen von Denkmal- oder Bestandsschutz. Bekannt ist lediglich der Plan eines Umzugs des Alliierten - Museums in den Hangar 7. Der überwiegende Teil des Gebäudes scheint durch Leerstand dem weiteren Verfall preisgegeben.

Dabei liegen Ideen und Konzepte vor, wie sie vom Arbeitskreis Tempelhof der Koalition der Freien Szene erarbeitet wurden und denen wir uns gerne anschließen. Diese sind:

  • Das Gebäude ehemaliger Flughafen Tempelhof soll ein zentraler Standort für freies künstlerisches Arbeiten werden mit 50% für freie Kunst aller Sparten.
  • Dabei geht es um Raum für künstlerisches Arbeiten, Arbeitsinfrastruktur wie gemeinsame Werkstätten u.Ä., Lagerraum und ausdrücklich auch Räume für die Präsentation für die Öffentlichkeit.
  • Neben der Nutzung für künstlerische Zwecke soll die Verwendung weiterer Gebäudeteile gemeinwohlorientierten Einrichtungen oder Projekten und Kleingewerbebetrieben vorbehalten sein.
  • Aktueller Leerstand soll schnellst möglich beendet werden. Die Nutzbarkeit aller Räume muss überprüft werden für eine Zwischennutzung für Künstlerische Zwecke.
  • Notwendige Ertüchtigungen sollten schnellstmöglich geschehen.
  • Das Konzept für die Nutzung soll auf Augenhöhe und in Zusammenarbeit mit der Koalition der Freie Szene entwickelt, ausgearbeitet und beschlossen werden. Grundlage dafür ist die Offenlegung des Ist -Zustandes, d.h. sämtlicher Räumlichkeiten und Grundrisse der Auflagen, des Denkmalschutzes und der notwendigen Sanierungsmaßnahmen. Das Gebäude muss als Ganzes zugänglich gehalten werden für alle Stakeholder.