Lern- und Lehrbedingungen verbessern – Schule als Lern- und Lebensraum

Von Karsten Gloger

Noch sind wir ein gutes Stück davon entfernt, souveräne Gestalter der Berliner Bildungspolitik zu sein. Oft hat es den Eindruck, wir seien Getriebene der Tagespolitik, die ihre gesamte Energie darauf verwenden, das Schlimmste abzuwenden. Spreche ich mit den Menschen die an unseren Schulen leben und arbeiten, zeigt sich immer wieder: Der Leidensdruck in der Lehrer*innen- und Schüler*innenschaft ist enorm. Lehrer*innenmangel, Stress, Überarbeitung, Platzmangel, marode Gebäude, kaum geeigneten Rückzugsräume, kaum Erholungspausen, zu kleine Mensen, oftmals kein Mittagessen.

Immerhin, nach Jahren des Kaputttsparens werden jetzt viele alte Forderungen von uns Grünen endlich angegangen. Am deutlichsten zeigt sich dies an der „Schulbauoffensive”. Hier wird deutlich mehr Geld für Schulbau und Schulsanierung bereitgestellt. Und es wird nach kreativen Lösungen gesucht, die Verwaltung effizienter zu machen. Die Gefahr besteht darin, dass wir angesichts der Vielzahl unserer „Baustellen” jetzt in blinden Aktionismus verfallen und zu sehr auf Quantität statt auf Qualität setzen. Stichwort Modulare Ergänzungsbauten (MEB). Fortschrittliche pädagogische Konzepte und Inklusion lassen sich in diesen Gebäuden wohl kaum umsetzen.

Wie wäre es, wir konzentrieren uns verstärkt darauf was wir wirklich wollen. Alles beginnt mit einer Vision. Lasst uns gedanklich einmal von dem Punkt kommen: Wenn alles möglich wäre – auf was für eine Art Schule möchtest du dein Kind gern schicken? Wie sieht die Schule aus, an der du als Lehrer*in gerne arbeitest? Wir werden voraussichtlich auch in den nächsten Jahren mit Lehrer*innenmangel umgehen müssen. Eine mögliche Lösung: Die Öffnung der Schule hin zum Sozialraum. Es bietet sich geradezu an, das kreative Potential der Stadt zu nutzen und externe Expert*innen, Vereine und Organisationen zur Unterstützung in die Schulen zu holen. Das wäre eine klassische Win-Win-Situation für Berlin.

Wir alle spüren: Schule muss sich in einer rasant verändernden Welt dringend weiterentwickeln. Initiativen wie „Schule im Aufbruch” wollen nicht länger warten, bis wir Politiker endlich aus dem Knick kommen. Sie haben oft bereits das umgesetzt, worüber wir noch diskutieren und streiten. Sowohl baulich, als auch ganz konkret in der pädagogischen Arbeit. In diesem Sinne ist es nur folgerichtig, dass wir unseren Bildungskongress dazu nutzen wollen in die Stadtgesellschaft hinein zu hören. Wo liegen die drängendsten Probleme, was darf auf keinen Fall länger aufgeschoben werden, und welche Lösungen lassen sich finden.

Dürfen wir in Zeiten des Lehrer*innenmangels so ketzerische Gedanken denken wie: Lehrer*innen entlasten, mehr Teamzeit gewähren, Erholungspausen gewährleisten, aktive Gesundheitsvorsorge betreiben? Wenn wir uns den hohen Krankenstand und die hohe Burnout-Rate in Berlins Schulen anschauen, kann dies nur die logische Konsequenz sein. Aber ein solcher Schritt erfordert Mut und Vertrauen von den politisch Verantwortlichen.

Egal wie wir uns entscheiden, das Leben wartet nicht auf uns. Die Digitalisierung ist in vollem Gange und die Eltern stimmen längst mit den Füßen ab, welche Art Schule sie in unserer Stadt sehen wollen.

Karsten Gloger ist Sprecher der LAG Bildung und Sprecher für Kinder- und Jugendpolitik der Grünen Fraktion Pankow.

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