Treitschkestraße umbenennen – Grüne werben für Ja in Bürgerbefragung

Ab morgen (5.11.2012) werden die Anwohnerinnen und Anwohner der Treitschkestraße in Steglitz befragt, ob sie einer Umbenennung der Straße zustimmen. Die Befragung ist verbindlich. Darauf hatte sich die schwarz-grüne Zählgemeinschaft in Steglitz-Zehlendorf verständigt.

Zur Abstimmung erklären Bettina Jarasch, Vorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Berlin und Annika Schmidt-Kotsch, Vorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen in Steglitz-Zehlendorf:

„Heinrich von Treitschke war ein Wegbereiter des Antisemitismus in Deutschland. Sein Ausspruch „Die Juden sind unser Unglück“ prangte auf dem Propagandablatt der Nazis, dem Stürmer. Wir meinen: Eine Ehrung von Treitschkes im Straßenbild Berlins ist unangebracht. Wir werben deswegen nachdrücklich für die Umbenennung. Es ist gut, dass ein jahrelanger Streit nun von den Anwohnerinnen und Anwohnern selbst gelöst werden kann. Sie müssen sich fragen: Wollen wir in einer Straße leben, die einem Antisemiten und Wegbereiter des Nationalsozialismus in Deutschland gewidmet ist?“

Zum Hintergrund: Mit der Umbenennung der Straße ist das Erinnern an den Antisemitismusstreit des 19. Jahrhundert nicht aus dem Straßenbild verschwunden. Bereits in der vergangenen Legislaturperiode wurden Gedenk- und Informationstafeln aufgestellt und der anliegende Park als Harry-Breslau-Park benannt. Harry Breslau war als deutscher Historiker Widerpart von Treitschkes im Antisemitismusstreit.

Die Grünen wollen es den Anwohnerinnen und Anwohnern der Treitschkestraße so einfach wie möglich machen, dem Anliegen einer Umbenennung zuzustimmen. Für Änderungen von Personalausweis und anderen Dokumenten wird das Bezirksamt unbürokratische Maßnahmen finden. Kosten fallen für die Anlieger dadurch nicht an. Auch ein Nachsendeantrag der Post ist nicht notwendig. Die Druckerei Laserline übernimmt für Anwohner und Gewerbetreibende Kosten für neue Briefbögen oder Visitenkarten. „Dafür danken wir herzlich. Die Bürgerinnen und Bürger sind nun aufgerufen, der Umbenennung zuzustimmen und damit auch ein Zeichen für Toleranz und gelingenes Miteinander zu setzen“, sagen Jarasch und Schmidt-Kotsch.

Für die Umbenennung wirbt ein breites Bündnis von Zivilgesellschaft und Parteien. Weitere Hintergrundinformationen finden Sie auf der Webseite www.treitschkestrasse-umbenennen.de